Freuds Mutter Fehlt

Rationalisten sehen Freud als Erben Kants. Die positivistische Wiener Tradition verstand sich als anti-klerikal, gegen Aberglauben und Dogmatismus gerichtet. Aber es gibt eine Kritik an der Aufklärung, die sagt, Freud erforschte das Irrationale, entdeckte das Unbewusste, zeigte, dass das Ich nicht Herr im eigenen Haus ist.

In: Der Freitag

Hürdenlos

Man muss aber kein Postmoderner sein, um zu sehen, dass selbst die Natur- und Sozialwissenschaften sich in einer Krise befinden – Ergebnisse werden auch hier oft erst gar nicht von anderen überprüft, und wenn, kommt der nächste Wissenschaftler selten zum gleichen Schluss.

In: Der Freitag

Wohnwagen, Inzucht

Will man amerikanische Reportagen über den Mittleren Westen lesen, muss man über einen besonderen, wenn auch begrenzten Wortschatz verfügen. Die Städte und Dörfer sind „hardscrabble“ oder „run-down,“ die Menschen sind „down on their luck,“ „haggard,“ „weary“ oder einfach nur „tired“. Die genauen Definitionen dieser Wörter sind unwichtig. Im Endeffekt wollen sie alle nur sagen, dass es den Menschen im sogenannten Rust Belt, dem einstigen industriellen Herzen Amerikas, beschissen geht. Selbst in Deutschland sind einige Bilder zu Klischees geronnen – die Ruinen Detroits, die mit Blei vergifteten Kinder von Flint; die sogenannte White Working Class, die Trump gewählt hat.

In: Der Freitag

Wir hier hinter

Für Brown sind die neuen, sich ständig vermehrenden Mauern kein bloßes Symptom eines globalen Rechtsrucks. Mithilfe von Theoretikern wie Carl Schmitt oder Michael Hardt und Antonio Negri zeichnet sie die Geschichte der Souveränität nach, um schließlich deren Krise zu konstatieren: „Staaten reagieren auf die Bewegungen und Imperative des Kapitals“, schreibt Brown, die Autonomie des Politischen, die für das Konzept der politischen Souveränität konstitutiv sei, habe aufgehört, eine operativ wirksame oder überzeugende Fiktion zu sein.

In: Der Freitag

 

Baldwin ist ein Hofnarr

Eigentlich hätte ich ihn hier fragen müssen, ob es mit seiner Arbeit anders ist. Denn Autoren werden in den USA ebenfalls (noch) nicht verhaftet. Bleibt auch ihre Arbeit folgenlos, sind sie nur ein schöner und interessanter Zeitvertreib, ohne politische Bedeutung? Die Frage fällt mir erst ein, nachdem wir uns schon verabschiedet haben. Stattdessen fragte ich, ob er einen Ausweg sieht, eine Hoffnung hat, dass Kultur irgendwann einmal wieder etwas bedeutet.

In: Der Freitag